250. Bundesligaspiel – Schachmiezen mit souveränem Saisonabschluss

Sieg im 250. Bundesligaspiel

Völlig entspannt konnten die Rodewischerinnen die Reise nach Lehrte antreten, war ihnen Platz 5 fast nicht mehr zu nehmen. Sie wollten aber mit zwei Siegen, und somit mit 16:6 Mannschaftspunkten, ihre zweitbeste Punktausbeute in ihrer Bundesligageschichte einfahren. Außerdem stand am Samstag gegen den SK Großlehna ihr 250. Bundesligaspiel auf dem Programm. Die Vogtländerinnen lösten beide Aufgaben souverän.
Im Jubiläumsspiel stand es nach 3 ½ Stunden 1,5:0,5. Hana Kubikova spielte am Brett 6 in einer ereignisarmen Partie Remis, während Anastasia Bodnaruk am Spitzenbrett ihrer Gegnerin nicht die Spur einer Chance ließ. An den vier verbliebenen Brettern ging es spannender zu. Eindrucksvoll demonstrierte am Brett 2 Joanna Majdan-Gajewska ihre Endspielstärke. Geduldig verstärkte sie ihre Stellung Zug um Zug und schlug dann erbarmungslos zu. "Verzählen verboten" galt für Claudia Steinbacher am Brett 5 in ihrem Leichtfigurenendspiel. Sie musste zahlreiche Varianten durchrechnen, verwertete ihren Mehrbauer aber souverän. Nicht in Not gerieten Julia Kochetkova (Brett 3) und Martina Korenova (Brett 4), deren Partien Remis endeten. Somit konnten die Rodewischerinnen einen sicheren 4,5:1,5-Sieg feiern. Im Parallelspiel gewann Gastgeber SK Lehrte gegen den SV Grün-Weiß Niederwiesa 4,5:1,5 und sicherte sich Platz 10. Dieser Platz bedeutet zwar den Abstieg, aber im Fall eines Rückzuges einer Mannschaft wäre das rettende Ufer noch erreicht.

Gastgeber Lehrte spielte am Sonntag gegen die Schachmiezen kurioserweise in stärkerer Besetzung als im für sie wichtigeren Kampf am Samstag gegen Niederwiesa. Drei Stunden hielt der Gastgeber gut mit, dann aber zerlegten Anastasia Bodnaruk, Joanna Majdan-Gajewska und Claudia Steinbacher die gegnerischen Stellungen. Als kurz darauf Martina Korenova ins Remis einwilligte, war der Mannschaftskampf gewonnen. Die Stellungen von Julia Kochetkova und Hana Kubikova waren dagegen schon etwas "anrüchig". Aber irgendwie bekam Hana die Stellung wieder in den Griff, gewann einen Bauern, gab in Zeitnot remis. Um dieses kämpfte Julia verbissen, musste sich aber nach fünf Stunden geschlagen geben. Der 4:2-Sieg war aber nie in Gefahr.

Die beendete 25. Bundesligasaison vereinte die weltbesten Schachspielerinnen - nur die Top-Chinesinnen fehlten (noch) - und war spannend wie nie zuvor. Erfreulich, dass sich die Rodewischerinnen erst in der 9. Runde aus dem Medaillenanwärterkreis verabschiedeten. Die Saison verlief für sie fast perfekt. Nur gegen Hamburg (2,5:3,5) lief es nicht optimal. Ein fehlendes Remis kostete die Medaille. Mit 16:6 Punkten spielten die Vogtländerinnen nach 2004/05 (17:5 Punkte - Vizemeister) ihre zweitbeste Saison, die aber „nur“ für Platz 5 genügten. In den 25. Bundesligaserien reichten 16:6 Punkte lediglich in den Jahren 2009/10 und 2012/13 nur für Platz 4, sonst gab es immer eine Medaille.
Überragend spielte erneut Anastasia Bodnaruk am Spitzenbrett mit 6 Punkten aus 6 Partien. Saisonübergreifend erkämpfte sie 9 Siege am Stück - alle am Brett 1! In ihrer ersten Saison gab Joanna Majdan-Gajewska der Mannschaft am Brett 2 mit 6,5 aus 10 sehr viel Halt und begeisterte mit tollen Endspielen. Sie wurde zur erhofften Verstärkung. Die weiteren Punkte erzielten Julia Kochetkova (7,5/11), Regina Pokorna (3,5/4), Magdalena Miturova (3,5/5), Martina Korenova (3,5/9), Zuzana Stockova (3,0/5), Claudia Steinbacher (2,5/7), Alena Kubikova (2,0/5), Anna Rudolf und Hana Kubikova je (1,0/2).

Die Meisterschaft sicherte sich in letzter Sekunde der Titelverteidiger aus Baden-Baden, der den SC Bad Königshofen mit 4,5:1,5 bezwang. Der SK Schwäbisch Hall hätte somit gegen Hamburg mit 5,5:0,5 gewinnen müssen, es reichte aber „nur“ zu einem 4:2-Sieg und damit erneut zur Vizemeisterschaft. Dritter wurde der Hamburger SK.
Obwohl die Vogtländerinnen nur über eine, und nicht wie die anderen Spitzenklubs über viele Spielerinnen unter den Top-50 der Welt verfügen, gelang ihnen in den letzten drei Jahren der Anschluss an die Spitzenteams. Wenn sich der Meister aus Baden-Baden „genötigt“ sah, im Kampf gegen die Schachmiezen mit zwei Weltmeisterinnen nach Rodewisch zu kommen, ist dies Beweis genug.

Die neue Saison beginnt am 22. Oktober 2016 und wird voraussichtlich am 1. Mai 2017 mit einer zentralen Runde der Frauen- und Männerbundesliga in Berlin enden.

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